Mittwoch, 10. September 2014

Zehn bleibende Bücher

Kollege Christian Weber hat mich auf Facebook nominiert, zehn Bücher aufzulisten. Zehn Bücher, die auf die eine oder andere Weise "bei mir geblieben" sind, die mich irgendwie berührt, beschäftigt, bewegt haben. Ich definiere es für mich so: Bücher, auf die ich immer mal wieder zurückkomme. Und ich beantworte die Aufgabe meinerseits nun nicht auf Facebook, sondern mache es wie der Kollege Heiko Kuschel, der seine zehn Bücher in seinem Blog aufgelistet - und wiederum jeden nominiert hat, der den Beitrag liest.

Also: Meine zehn.


1. J.R.R. Tolkien: Der Herr der Ringe

Muss ich eigentlich nicht viel zu sagen, oder? Die Mutter aller Fantasysagas. Es gibt Leute, die gar nichts damit anfangen können, es nach 50 oder weniger Seiten weglegen und sterbenslangweilig finden. Ich habe als Jugendlicher irgendwann mal den "Hobbit" geschenkt bekommen und gelesen. Den fand ich ganz nett, aber wie genau die Motivation entstanden ist, auch den HdR durchzulesen, kann ich heute nicht mehr rekonstruieren. Jedenfalls ist er aus meiner Lesehistorie nicht wegzudenken, und er fasziniert mich immer wieder, sei es als Buch, Hörbuch, Hörspiel, Anmationsfilm oder "Real"-Film.

2. Tad Williams: Otherland

Eine Saga, der ich noch viel viel mehr Leserinnen und Leser in Deutschland wünsche. Ein genialer Cyber-SciFi-Fantasy-Crossover-Mix, bei dem ich mich gefragt habe, weshalb noch niemand zuvor auf die Idee gekommen ist: nämlich die Möglichkeit virtueller Realitäten dazu auszureizen, dass in einem - sehr umfangreichen - Werk die Heldengruppe gleich eine Vielfalt an nachgebauten realen und Fantasy-Welten durchwandern kann, vom Szenario des 1. Weltkriegs über Ilias und Odyssee, den Krieg der Welten und den Zauberer von Oz, Alice im Wunderland, bis hin zu Tolkiens Mittelerde. Ganz nebenbei geht es um Freundschaft, Ewiges Leben und die Frage, was den Menschen zum Menschen macht. Nach vier fetten Bänden hätte ich mir gewünscht, die Geschichte ginge immer und immer weiter ...

3. Douglas Adams: Die Letzten ihrer Art


Ich gebe zu: Als erstes ist mir natürlich der "Anhalter" eingefallen, die wahrscheinlich auf alle Zeiten hin kultigste und lustigste Science-Fiction-Parodie, die viel mehr ist als eine Parodie: philosophisch, humanistisch und unfassbar einfallsreich an Absurditäten. Aber Douglas Adams' schönstes und wichtigstes Buch ist zweifellos "Die Letzten ihrer Art", eine liebevolle und zugleich hochkomische wie melancholische Reise zu den aussterbenden Tierarten unserer Erde. Und wie für den "Hitchhiker" gilt auch für "Last Chance to see": Wer des Englischen ausreichend mächtig ist, sollte es im Original lesen.

4. Stefan Zweig: Schachnovelle


Gibt es einen Schachspieler, der dieses Büchlein nicht zu seinen All-Time-Favorites zählt? Ich habe viele Romane gelesen, in denen Schach eine Rolle spielt, von eher mittelmäßigen bis hin zu durchaus guten. Aber Zweig spielt sprachlich in einer anderen Liga. Auch wenn der amtierende Weltmeister darin etwas klischeehaft gezeichnet ist: Wie hier die Spannung und Leidenschaft, auch das Suchterzeugende am Schach - und zugleich die Freiheit (und der Wahn) einer eigenen Welt, die es einem Gestapo-Gefangenen eröffnet, geschildert sind, ist jedesmal wieder lesenswert.

5. Isaac Asimov: Die Foundation-Trilogie


Nein, diesen Listeneintrag habe ich mir nicht bei Heiko Kuschel abgeguckt, sondern hatte ihn schon kurz nach der Nominierung durch Christian im Sinn. Es ist schon eine Zeitlang her, dass ich die Trilogie und einiges drumherum, auch die Robotergeschichten gelesen habe - aber alles habe ich in guter Erinnerung: visionär, intelligent konstruiert, und nahezu jedesmal mit einer überraschenden Wendung am Ende. Muss ich irgendwann einmal wieder lesen.


6. Orson Scott Card: Ender's Game

Vor einigen Jahren habe ich Cards "Ender"-Reihe entdeckt. Irgendwoher stand "Das große Spiel" in unserem Bücherregal; ich las es - und wollte mehr. Ich behaupte: mindestens der erste Band empfiehlt sich auch für Leute, die sonst nicht so gerne Science-Fiction lesen. Denn das Entscheidende daran ist nicht das Szenario der Bedrohung durch scheinbar ultimativ böse Aliens - sondern wie dieses Gefühl der Bedrohung und das Streben nach absoluter Sicherheit zum Missbrauch überdurchschnittlich begabter Kinder - und zu einer vermeidbaren Katastrophe führen. Die Schilderungen des Kampftrainings in der Schwerelosigkeit und die psychologischen (und auch handgreiflichen) Kämpfe zwischen den Kindern und Jugendlichen sind unabhängig davon sehr fesselnd. Wem "Ender's Game"/"Das große Spiel"/"Enders Spiel" gefallen hat, dem empfehle ich unbedingt noch das 14 Jahre später erschienene "Enders Schatten" zur Lektüre, das auf das ganze Geschehen noch einmal ein neues Licht aus der Perspektive eines anderen Jungen wirft. Und wer dann mag, der kann sich durch die ganzen Reihen lesen - in der Ender-Reihe folgen "Sprecher für die Toten", "Xenocide", "Enders Kinder", in der Schatten-Reihe "Shadow of the Hegemon", "Shadow Puppets", "Shadow of the Giant" - letztere gibt es bislang nicht auf Deutsch. Card hat auch zwei schöne Bücher über das Bücherschreiben geschrieben, die bisher aber ebenfalls nur in englischer Sprache erhältlich sind: "How to Write Science Fiction and Fantasy" und "Characters & Viewpoint".
Wie man sich denken kann, war 2013 Ender's Game - Das große Spiel von mir lang ersehnt und einer der wenigen Filme, die ich in den vergangenen Jahren im Kino gesehen habe.

7. Friedrich Dürrenmatt: Die Physiker


Schon in der Schulzeit wurde ich zum Dürrenmatt-Fan. "Die Physiker" stehen in dieser Liste exemplarisch für viele andere seiner Werke: "Romulus der Große", "Der Besuch der alten Dame", die Kriminalromane "Das Versprechen", "Der Richter und sein Henker", "Der Verdacht" und "Justiz" uvm. In den "Physikern" kommt aber Dürrenmatts absurd-pessimistische Weltsicht geradezu paradigmatisch zum Ausdruck: "Uns kommt nur noch die Komödie bei". Auch hervorragend zum Einstieg: der Band "Der Tunnel: und andere Meistererzählungen".

8. Hilde Domin: Lyrik und Prosa

Was ich mit diesem besonderen Büchlein verbinde, habe ich an anderer Stelle in diesem Blog schon einmal aufgeschrieben. Natürlich gibt es diese Sonderausgabe heute höchstens noch gebraucht oder antiquarisch. Aber 2009 ist zum 100. Geburtstag der Dichterin eine sehr hübsche gebundene, aufgrund des Formats fast niedlich zu nennende Gesamtausgabe erschienen.




9. David Allen: Wie ich die Dinge geregelt kriege


Es empfiehlt sich auch hier, "Getting Things Done" (kurz: GTD) auf Englisch zu lesen; manches an diesem Arbeitsorganisations- und Selbstmanagement-Konzept wird dadurch noch klarer. Die Tipps darin sind Gold wert. Am effektivsten ist es natürlich, wenn man das Konzept komplett umsetzt, aber auch Teile davon sind bereits sehr hilfreich. Und im Netz gibt es unzählige Seiten, die das System erläutern, erweitern - oder auch lieber Alternativen anpreisen. Der Autor empfiehlt selbst am Ende eine regelmäßige Re-Lektüre in größeren Abständen. Je länger die Lektüre zurückliegt, desto eher meldet sich der alte Schlendrian zurück. Es wird mal wieder Zeit ...

10. Die Bibel

Doch, ehrlich, die ist mir auch noch eingefallen. Weiß auch nicht, wie ich ausgerechnet darauf komme. Schon seltsam mit diesem Buch: es liest sich nie wirklich aus. Fürs Kontaktstudium im zurückliegenden Sommersemester hatte ich mir die "Elberfelder Studienbibel" angeschafft. Eine schöne "Schummelbibel"; mit dem Sprachschlüssel zum Alten und Neuen Testament braucht es nicht unbedingt den Blick ins NTG oder in die BHS, und man hat doch den schnellen Zugriff auf die hebräischen und griechischen Vokabeln und ihre unterschiedlichen Bedeutungsmöglichkeiten.


Das war's fürs erste. Auf der Strecke geblieben sind einige Bücher, die mich in jüngerer Zeit gefesselt oder beeindruckt haben, aber noch keine Chance hatten, sich für mich zu "bleibenden" zu entwickeln. Vielleicht mache ich demnächst noch eine weitere Liste ...

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